Das Schwert von Wien

Fechtturniere im Langen Schwert

1. offenes Fechtturnier im langen Schwert 2012 

Eigentlich wollten wir ja eine (semi)professionelle Reportage zum Ablauf des Turnieres liefern. Aber nach etwa 15 zerknüllten Blättern Papier und 5 Krügen Bier beschlossen wir, dass wir uns zuerst noch publizistisch weiterbilden müssten, um so eine Aufgabe zu stemmen. Also wurde ein einfacher Schulaufsatz daraus...

Wie alle Heldengeschichten beginnt auch diese vor dem Morgengrauen, als sich zwei völlig verschlafene Personen in den völlig unübersichtlichen Gängen des Einkaufszentrums einfinden, um an neuralgischen Punkten Zetteln anzukleben, die eventuell suchende Personen darauf hinweisen sollen, dass sie noch nicht am Ziel seien.

Das geschieht hauptsächlich, da wir annehmen dass doch der eine oder andere Kämpfer/ Zuschauer die Southpark Karikatur der Austragungshalle von der Webseite der Veranstaltung als Orientierungshilfe verwenden würde, anstelle Google Maps zu befragen. Ob sich dennoch jemand verirrt hat? Wir werden es nie erfahren. Wie auch immer, kaum schließt der Reinigungsdienst die Halle auf und kaum ist der Empfangstisch besetzt, kommen auch schon die ersten Kämpfer. Die Halle fällt sich überraschend schnell und bereits nach wenigen Minuten ist sie voll. Bei den Kämpfern sieht man sowohl gespannte Erwartung des Kommenden als auch Freude am Frühstück. Und schon geht's los.

 

Eine Durchsage, dann Anstellen zum Waffen und Ausrüstungscheck. Dank Philips kluger Prüfstraße gibt's nur eine kurze Verzögerung von etwa 20 Minuten. Der Kämpfer wartet beim "SchiRi-Büro", ein Tisch am Rande der Halle. Wenn er dran kommt, wird die Waffe geprüft. Zuerst auf die Küchenwaage (ja dieselbe, mit welcher die Kuchen in der Kantine aufs Gramm genau gemehlt und gebuttert wurden). Dann wird sie aufgestellt und mit der Spezialmesslehre für Federschwerter auf ihre Biegsamkeit geprüft.

Die Spezialmesslehre für Federschwerter ist ein 2,5 Kg Hantelgewicht. Entspricht die Feder nicht, wird ihm wortlos eine Ersatzwaffe in die Hand gedrückt. Entspricht sie, wird sie markiert und der Kämpfer geht weiter zur Ausrüstungsbegutachtung. Kann der Fechter keine Stichsicherheit am Oberkörper aufweisen, wird er vor dem Kampf in die Bekleidungskammer geschickt, wo er die vermutlich grauslichste Fechtjacke der Welt anlegen muss. Besonders später im Laufe des Tages werden die Fechtjacken noch zu einer härteren Prüfung, als die von Runde zu Runde immer stärker werdenden Gegner.

Etwas verspätet, etwa um 09:30 beginnen dann endlich die Kämpfe. Sind die Gesichter der Athleten zuerst noch ein wenig von Spannung geprägt, merkt man jedoch recht bald nach den ersten Kämpfen, wie sich Ruhe einstellt und die Kämpfer mit der Coolness eines James Bond antreten. Aus Nervosität wird Spaß. Hin und wieder hört man dann einen lauten Schrei aus der Austragungshalle. Ja auch ein Kendo Kämpfer hat den Weg zu diesem Turnier gefunden und zu unserer aller Freude schlägt er sich ganz passabel. Zitat einer jungen Teilnehmerin: "Der hat plötzlich so laut geschrien. Beim ersten Mal hab ich mich erschreckt, aber ab dann hab ich einfach zugeschlagen!" Auch der Sanitäter kommt nur beim ersten Mal gelaufen. Alles in allem sind die Kämpfe von sehr hohem Niveau und es ist erstaunlich, dass sogar in den Vorrunden durchwegs schöne Techniken zu sehen sind.



So, endlich etwas Zeit für einen Becher Kaffffe. Die Vorrundenkämpfe sind vorbei. Die Reihung wird erstellt. Ein  Läufer kommt mit der Nachricht: unser  Ringarzt, Dr. Ahmad Salim (der Erfinder des achmedischen Sicherheitsabstandes), führt. Wie kann man denn vor einem Arzt so viel Angst haben? Na hoffentlich tut er sich selber nicht weh. Kurze Pause, dann geht's weiter mit den Freilos-Kämpfen. Ja, am Nachmittag treten nur die 32 Kämpfer mit den besten Leistungen an. Das bedeutet, die letzten 12 in der Reihung kämpfen um einen Startplatz in den Direktausscheidungen. Nun heißt es, sich noch einmal ordentlich ins Zeug legen. Schließlich will man ja nicht ausscheiden sondern am Nachmittag um die Trophäen antreten - besonders, da der Fachverband für Historisches Fechten zusieht.

 

Mittagspause: Was essen und bei Kräften bleiben. Der Projektleiter raucht eine Pfeife. Zuschauer und Kämpfer sind plötzlich verschwunden oder sitzen mampfend bei der Turnierkantine. Viel zu kurz, die Pause. Eine Durchsage von der Turnierleitung. Einweisung durch die hervorragenden Schiedsrichter (Profis halt). Einteilung der Kämpfe und los geht's wieder. Draußen vor der Halle hört man das laute Krachen der Federschwerter und hin und wieder einen dumpfen Rums von getroffenen Fechtmasken. Und hin und wieder brandet erster Applaus auf. Der wird sich noch im Laufe des Nachmittags ordentlich steigern. Man hat fast das Gefühl, sich auf einer Sportveranstaltung zu befinden. Ein Läufer kommt mit der Nachricht: Robocop ist weiter! Juhuu, unsere extra für diese Veranstaltung entworfene künstliche Lebensform hat sich bewährt.


Ein anderer Wiener Hoffnungsträger, Obiwan-Peter, scheidet leider verletzungsbedingt aus und gesellt  sich nach seinem Spitalsbesuch in die Gruppe der Versehrten, die draußen vor der Halle ein Schwätzchen halten und sich gegenseitig ihre Röntgenbilder zeigen. Gottseidank ist außer einem gebrochenen Finger, einem abgegangenen Fingernagel und einer Anzahl blauer Flecken nicht mehr passiert. Auch wenn's kurz so ausgesehen hat, als ob unser Ringarzt k.o. am Boden liegt.



Nach der ersten Direktausscheidungsrunde lichten sich die Reihen der Kämpfer bereits planmäßig. Nur noch 16 Fechter sind im Bewerb. Entgegen aller Bedenken der vergangenen Wochen ("Schwertkämpfer sind nicht so fit, die werden der Belastung nicht standhalten") wird die Qualität der Kämpfe immer besser. Manche Teilnehmer laufen zur Höchstform auf und treffen ihre Gegner mit fast schulmäßigen Fechtstücken, so dass es dem alten Johannes L eine Freude gewesen wäre, bei den Kämpfen zuzuschauen. Auch die Turnierleitung selbst ist beeindruckt. Ein Läufer kommt mit der Nachricht: Robocop ist eine Runde weiter. Braver Alex!

Viertelfinale! Nur noch 8 Kämpfer. Die Spannung wächst auch bei den Zuschauern, zu denen sich auch die mittlerweile ausgeschiedenen Teilnehmer gesellen. Immer heftigerer Applaus wird laut, wenn einem Kämpfer ein Treffer gelingt. Und die Mitglieder und Fans der einzelnen Fechtgruppen jubeln ihren Favoriten zu, wenn sie die Kämpfe siegreich absolvieren und ins Halbfinale einziehen. Ein Preis ist dann auf jeden Fall sicher! Immerhin, zwei Kämpfer der Wiener Fecht- und Ausdauersport Runde sind noch im Rennen! Leider scheidet unser Ringarzt in einem langen und schweren Kampf gegen den späteren Turniersieger aus. Ein Läufer kommt mit der Nachricht: Robocop ist im Halbfinale. Hurra!



Die nun einzeln ausgetragenen Finalkämpfe beginnen. Die Spannung ist enorm, schließlich fiebert jeder Verein mit seinen Favoriten, und auch ein wenig mit den Startern aus dem eigenen Heimatland (klar ein wenig Sportpatriotismus darf ja ab und an sein). Zwei Finalisten sind aus Österreich und zwei aus Deutschland. Es wird doch hoffentlich nicht eine Neuauflage des Fußball Länderspieles (einige Wochen zuvor) werden? Immerhin sieht man einen Florettfechter im Halbfinale. Nun ja, gelernt ist eben gelernt. Die Kämpfe sind durchweg sehr spannend und durchwegs die Besten des heutigen Tages. Robocop ist im Finale! Juhuu! Ach, ich bin ja so stolz *schnüff*.  Leider verliert er aber den Finalkampf. Thorsten Kästel gewinnt das Turnier verdient und erringt den ersten Platz. Der Jubel beim deutschen Fechtverein Krifon ist unbeschreiblich. Gleich im Anschluss werden die Finalisten zur Siegerehrung gerufen und erhalten vom Turnierbeauftragten des Fachverbandes, Dr. Marcel Dorfer, die Trophäen überreicht. Auch der Präsi des Fachverbandes erhält ein kleines Anerkennungsgeschenk für seine Mitwirkung in der Turnierleitung und für den Ehrenschutz: einen abgetrennten Unterschenkel (natürlich aus Latex, wir sind ja keine Barbaren). Alle Teilnehmer erhalten eine Erinnerungsmedaille mit der Aufschrift "Fighter". Irgendwo mussten wir ja das aktuelle Modewort der Schwertkämpfer sinnvoll unterbringen. 



Gleich im Anschluss verlegt die Mehrheit der Kämpfer, Schiedsrichter und die Turnierleitung in ein nahegelegenes Restaurant um dort den Ausgang des Turnieres und den Sieger zu feiern. Eine kleine Kolonne Helfer bleibt vorläufig zurück, um die Infrastruktur abzubauen und sauber zu machen.

"Die ersten im Kampf, die letzten beim Mampf!"